Die hiesigen Weihnachts– bzw. Vorweihnachtstraditionen kennen wir genau. Dazu zählen der Adventskranz, der Nikolaus, der Adventskalender und auch der Weihnachtsbaum hat in Deutschland bereits länger Tradition als in anderen Ländern der Welt.

Aber was sind denn typische Weihnachtstraditionen in anderen Nationen?

Das habe ich mich diese Jahr gefragt und angefangen schöne Bräuche aus allerwelt zusammen zu tragen. Wenn ihr bezüglich Weihnachtsrituale auf euren Reisen noch mehr kennengelernt habt oder aus eurer Heimat noch etwas ergänzen könnt, um die Sammlung zu erweitern, dann freue ich mich über einen Kommentar oder Mail. 🙂

1| Schweiz – Engelskerzen

Beginnen möchte ich mit den Engelskerzen aus der Schweiz, da mich eine geschenkte Kerze dieser Art für den Artikel inspiriert hat. Zumindest wird die ursprüngliche Herkunft der Kerzen, der Schweiz zugeschrieben. Mittlerweile gibt es sie natürlich überall zu kaufen, meine kommt zum Beispiel aus dem Eine Welt Laden.

Die sogenannte Engelskerze bekommt ihren Namen durch die Form, die sie beim Abbrennen ausbildet.

In der Vorweihnachtszeit wird sie, wie die Kerzen auf dem Adventskranz immer wieder angezündet. Damit sich die Engelsflügel ausbilden, sollte die Kerze beim ersten Anzünden eine halbe Stunde brennen und bei allen weiteren Malen brennt sie am Besten nur kurz, für 10–15 Minuten. Denn je kürzer die Brennzeit desto schöner wird die Form der Flügel.

Des Weiteren ist die Schweiz, eines der oben erwähnten Ländern, in denen es den typischen Tannenbaum im Wohnzimmer noch gar nicht so lange gibt. Die Bescherung unter Weihnachtstannen hat sich dort erst im 20. Jahrhundert verbreitet. Früher wurde traditionell ein geschmückter Christbaum auf dem Marktplatz aufgebaut und zuhause nur eine Krippe aufgestellt.

2| Island – Jólasveinar, die 13 Weihnachtskerle

In Island kommen 13 Tage vor Weihnachten nachts die Weihnachtskerle. Es handelt sich dabei um Weihnachtstrolle, die mit den Menschen auch gerne Schabernack treiben.

Jede Nacht kommt ein anderer der sogenannten Jólasveinar und die Kinder stellen einen ihrer Schuhe ans Fenster, woraufhin jeder Troll Geschenke für brave Jungen und Mädchen hineinsteckt, während die ungezogenen Kinder Kartoffeln bekommen.

Hier die Namen, der 13 frechen Gesellen:

12. Dezember || Stekkjastaur – Schafenschreck
13. Dezember || Giljagaur – Klammenkerl
14. Dezember || Stúfur – Stöpsel
15. Dezember || Thvörusleikir – Kellenlecker
16. Dezember || Pottasleikir – Töpfekratzer
17. Dezember || Askasleikir – Suppenschlürfer
18. Dezember || Hurdaskellir – Türenknaller
19. Dezember || Skyrgámur – Quarkfresser
20. Dezember || Bjúgnakrækir – Wurststibitzer
21. Dezember || Gluggagaegir – Fenstergucker
22. Dezember || Gáttathefur – Türenschnüffler
23. Dezember || Ketkrókur – Fleischangler
24. Dezember ||  Kertasníkir – Kerzenschnorrer

3| Dänemark – Luciafest , Nisser und Julemand

Viele schöne und in Deutschland – zumindest Süddeutschland – eher unbekannte Bräuche finden sich in Dänemark. Hier zündet man am ersten Dezember eine Kerze mit 24 Strichen zum ersten Mal an. Jeder Strich steht dabei für einen Tag. Wenn die Kerze schon zur Hälfte herunter gebrannt ist, wissen alle, dass das Luciafest vor der Tür steht. Ursprünglich geht der Tag auf die heilige Lucia zurück. Die heutzutage wichtigsten Elemente dieses Tages sind, das Tragen von weißen Gewändern und Kerzen, der Verzehr von traditionellem Safrangebäck sowie das Singen von Lucialiedern, und die Wahl einer örtlichen Lucia.

Wenn die Kerze am 23. Dezember schon fast niedergebrannt ist, schmücken die Dänen den Weihnachtsbaum , trinken Glögg (Glögg) und naschen schon die Plätzchen.

Einen besondere Art des Adventskalenders haben die Dänen ebenfalls. Im Fernsehen gibt es in der Vorweihnachtszeit einen Weihnachtskalender, bei dem jährlich vom 1. Dezember bis zum Heiligen Abend 24 Teile einer Weihnachtsserie (The Julekalender) ausgestrahlt werden.

Auch Kobolde, die sogenannten Nisser, sind Bestandteil der dänischen Weihnachtskultur. Ohne Nisser kein Jul, sagt man. Die Weihnachtskobolde finden sich als Figuren und Schmuck in jeder Wohnung.
Das Lieblingsgericht der Nisser ist Milchreis, um die Kobolde für das restliche Jahr milde zu stimmen, wird eine große Schüssel mit Milchreis aufgestellt. Den Weihnachtsmann nennen die Dänen übrigens Julemand und er kommt aus Grönland.

Eine weitere Tradition, mit ihrem nunmehr 100 jährigen Bestehen, ist eine gemeinnützige Idee des dänischen Postbeamten Einar Holbøll, die auf das Jahr 1904 zurückzuführen ist. Seitdem wird jedes Jahr im November traditionell eine neue Briefmarke gedruckt. Der durch die Julemærke erbrachte Erlös wird für wohltätige Zwecke gespendet.

4| Bulgarien – Koledari und Brotlaib

In Bulgarien wird Weihnachten nicht wie bei uns am 24. sondern am 25. Dezember gefeiert. Nach bulgarischem Brauch werden an Heilig Abend viele Gäste zu einem ausgedehnten Essen eingeladen, welches gerne sieben bis neun Gänge umfassen kann. Es bildet den Abschluss der 40-tägigen orthodoxen Fastenzeit. Gegessen werden dabei nur vegetarische Speisen, welche den Gästen Reichtum im kommenden Jahr bescheren soll.
Eine weitere Tradition beim Festessen, ist ein runder Brotlaib, in den eine Münze eingebacken ist. Die Person, welche die Münze findet, verspricht der Brauch eine glückliche Zukunft.

Der Tisch bleibt nach dem Essen meist bis zum nächsten Morgen so wie er ist, gedeckt mit allem was noch übrig ist. Dieser Brauch wird als Geste gegenüber den Geistern der verstorbenen Vorfahren verstanden, welche dem Glauben nach noch vor dem Weihnachtsmorgen zu Besuch kommen.

Die Koledari (Sternsinger) gehen in Bulgarien, nicht wie bei uns erst im Januar durch die Strassen, sondern bereits ab Mitternacht des Heiligen Abends. Auch hinter diesem Brauch steckt der Glaube, dass so die bösen Geister vertrieben werden.

5| Ukraine – Spinnennetze

In der Ukraine werden Weihnachtsbäume mit spinnwebenartigen Ornameten dekoriert. Sie sehen aus wie Spinnweben und sollen Glück bringen. Dieser Brauch geh auf die Geschichte einer armen Frau zurück, Welche sich keine Ornamente zum schmücken ihres Baumes leisten konnte. Am Morgen des Heilig Abends erwachte sie und ihr Weihnachtsbaum war mit Spinnweben übersät. Die Spinnweben glitzerten im Sonnenlicht und sahen wunderschön aus. Auch in anderen Ländern, wie Polen und auch Deutschland, wird ein Spinnennetz am Weihnachtsbaum als Glücksbringer angesehen.

6| Kanada – Eggnog und Santa Claus Briefkasten

Was dem Deutschen der Glühwein, ist dem Kanadier der Eggnog. Ein alkoholhaltiges Getränk aus Ei und Milch oder Sahne. Laut Statistik genießen die Kanadier 5,3 Millionen Liter pro Jahr, den Hauptanteil natürlich in der Weihnachtszeit.
Ansonsten sind die Weihnachtsbräuche in Kanada natürlich von den zahlreichen Einwanderern und ihren mitgebrachten Traditionen geprägt. Je nach Region gibt es somit traditionelle Unterschiede. So feiern die Inuitvölker Weichnachtsfeste mit allen Gemeindemitgliedern, sie Tanzen und Singen gemeinsam. Und in Labrador beispielsweise bekommen die Kinder eine Rübe geschenkt, welche sie dann aushöhlen und eine Kerze hineinstecken. In Neuschottland werden, vor allem am Weihnachtsmorgen noch sehr gerne schottische und englische Weihnachtslieder gesungen, dabei handelt es sich um die alten Lieder, die schottische Einwanderer vor über 200 Jahren mitgebracht haben.

Ein weihnachtlicher Fun Fact, über den ich schmunzeln musste, ist dass der Weihnachtsmann in Kanada wohl seine Anschrift hat. Wusstest du das? Ich hätte es gerne früher gewusst 😉 Sein Briefkasten befindet sich wohl in Kanada und wenn man ihm bis zum 16. Dezember schreib dann antwortet er auch. Dabei kann er 30 Sprachen, inklusive Blindenschrift. Schick‘ deinen Brief einfach an Santa Claus, North Pole H0H 0H0, Canada.

Am Besten finde ich die Postleitzahl. Ho ho ho.

P.S. natürlich haben auch andere Länder entsprechende Post-Elfen, die dem Weihnachtsmann zur Hand gehen. Die Weihnachtspostämter.

7| Venezuela – Gaitas und Roller-Skates

Wenn in Venezuela die Weihnachtszeit beginnt, dann hört man nachts die Gaitas auf den Straßen. So heißen im Westen Venezuelas die Weihnachtslieder. Gruppen von Sängern, die Anguinaldos, ziehen dann von Haus zu Haus, klopfen an Türen und tragen die traditionelle Weihnachtslieder vor.
Die Lieder handeln von der Geburt Jesu und werden von traditionellen Instrumenten musikalisch begleitet. Heutzutage veranstaltet man Gaita-Festivals in ganz Venezuela.

In Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, ist es heutzutage normal, dass die Wege zu den morgendlichen Andachten und Kirchbesuchen mit Rollschuhen zurückgelegt werden. Zwischen dem 16. und 24. Dezember werden morgens sogar ganze Straßen für den Verkehr gesperrt, damit die Menschen wohlbehalten bei den Weihnachtsgottesdiensten ankommen.